8_Vorstellung Fungai Katango: Christa in Simbabwe 2018/19

In den nächsten Tagen möchte ich Euch so nach und nach unser Team vorstellen. Zunächst organisatorisches: Wenn die Posts nicht so regelmäßig kommen, liegt das an unserer Internetverbindung. Durch die heftigen Regenfälle fällt immer wieder der Strom aus – und dann haben wir natürlich auch kein Internet!

Mit unserer Montessori Erzieherin Fungai möchten wir gerne anfangen. Sie ist unser „Head-Teacher“ im Kindergarten und bringt mit ihren 44 Jahren viel Erfahrung mit. Lassen wir aber Fungai erst einmal selbst sprechen: 

Fungai hat bei uns im August 2017 angefangen. Zu dem Zeitpunkt hatten wir zwar noch keine Kinder, da die Genehmigung noch nicht da war, aber sie hat beim Umbau und bei der Einrichtung mitgeholfen.  Seither ist sie mit Herzblut dabei. Und sie ist der Dreh- und Angelpunkt für die Kinder. Was sie sagt, hat Gewicht und die Kinder lieben sie!

Fungai mit little Kathy rechts und links auch eine unserer Jüngsten Tinomatenda

Drei Mädels im Alter von 12,13 und 15 sowie einen Jungen mit 21 Jahren hat Fungai. Vor knapp 3 Jahren verstarb ihr Mann ganz plötzlich, wahrscheinlich an einer Hirnblutung. Warum und wieso weiß man nicht, er war bis dato gesund. Kurz zuvor hatte er nach langer Arbeitslosigkeit endlich wieder einen Job als Netzwerkverantwortlicher am Hospital in Mutare gefunden. Zuvor war er viele Jahre bei Telone, dem grössten Internetanbieter in Zimbabwe. Er hatte an einem Streik für höheren Lohn teilgenommen und wurde daraufhin gekündigt. Sie hatten gerade das Fundament für ihr Haus in Chikanga gelegt und daneben ein kleines Cottage für den „Übergang“ gebaut. Fungai lebt nun seit fast 20 Jahren in diesem „Übergang“ und hat als Terrasse nun das große Fundament. Einen Wasserhahn hat sie außen, in einem kleinen Verschlag daneben ist eine Toilette mit Dusche. Man steht also vor der Toilette um zu Duschen, dabei wird die Toilette auch gleich mitgeduscht! Das Wasser in Mutare ist sehr gut, hat sogar Trinkwasserqualität, die einzige Stadt in Zimbabwe die das vorweisen kann. Das liegt an der Lage, dirkt an den Vumba Mountains gelegen. In Harare ist das Wasser dermaßen gechlort, dass man es kaum trinken kann.

Fungai ist Erzieherin aus Leidenschaft. Auch wenn der offenere Stil, den wir bei uns im Kindergarten haben, noch gewöhnungsbedürftig für alle ist. In den Preschools hier ist es üblich, dass 30-40 Kinder im Frontalunterricht einfach mit nachplappern unterrichtet werden. Und es ist mehr ein Unterricht, denn freies Spiel. Dass ein Kind sich aus der Reihe mal ein Bilderbuch oder Spiel nehmen darf – sofern es das überhaupt gibt, habe ich noch nirgends gesehen und ich war schon in vielen Kindergärten. Es macht aber auch die Mischung. Es würde unseren Kindern nichts bringen, wenn sie eine offene Erziehung genießen und dann in der Schule in das alte System kommen. Deshalb mischen wir beides, was inzwischen ganz gut klappt.

Nun haben wir nach dem ersten Jahr unsere ersten sechs Schulkinder verabschiedet und wir sind sehr gespannt, wie sie sich in der Schule machen. Bis auf zwei Kinder haben auch alle einen Schulplatz. Einia und Princess Eltern ( die beiden sind Cousinen) können das Schulgeld und die inzwischen hohen Kosten für die Schuluniform und Hefte nicht bezahlen. Wir sind da grade noch in der Verhandlung sowohl mit den Eltern, wie auch mit der Schule. Da wir immer wieder Leute im Garten brauchen, können sie vielleicht das Schulgeld erarbeiten und die Schuluniform übernehmen wir. Problem sind die beiden Väter. Sie sind schwere Alkoholiker und deshalb arbeitsmäßig nicht einzusetzen. Das bisschen Rente was die Oma bekommt (30 Dollar im Monat) wird für Alkohol umgesetzt! Das ist wirklich traurig. Aber die Männer kommen alleine davon nicht mehr los. Fungai ist diejenige, die den Kontakt zu den Schulen hält. Es gibt immer mal wieder Scholarships für sehr gute Schüler, aber dazu müssen sie erstmal in der Schule sein. Sie verhandelt gerade, ob die beiden wenigstens im ersten Term  für einen geringeren Betrag kommen können, damit man sieht, dass die Mädels richtig gut sind. Auf jeden Fall bleiben wir dran und Fungai setzt sich für ihre Kids sehr ein!

Um ihre drei Mädels, Tinotenda, Zvikomborera und Shamiso, die im besten Teeny Alter sind, macht sie sich große Sorgen, dass sie in falsche Kreise kommen. Deshalb hält sie sie fast wie im Käfig und hat extra für die Ferien einen Fernseher ausgeliehen (der alte Röhrenfernseher, den man oben im Bild sieht, geht schon lange nicht mehr), und sie schauen von morgens bis abends irgendeinen Mist…völlig weltfremde Soaps in denen sie eine ganz falsche Welt vorgegaukelt bekommen. Das hält sie für besser, wie die Realität draußen….schwierig und auch verständlich bei den vielen Teeny-Schwangerschaften, die es hier gibt. Richtige Aufklärung und offene Gespräche zwischen Mutter und Töchter gibt es nicht. Ich habe nun die Mädels fast jeden Tag bei mir im Kindergarten während der Ferien. Sie helfen zu Backen, spielen leidenschaftlich Kniffel und puzzeln, Strickliesel ist ebenso angesagt…Auf jeden Fall besser, wir in dem heißen Wohnzimmer unter dem Asbestosdach mit Soaps berieseln zu lassen. Außerdem waren wir in der Stadt und haben auf dem Secondhandmarkt für jede ein Teil gekauft, das gibt es zu Weihnachten. Im Supermarkt kam dann noch Santa Claus (wie absurd bei 35Grad Hitze) und wir waren Chips und Hähnchen essen. Das erste mal für die Drei in einem Restaurant! Happy Girls!

Wir haben Fungai von einer anderen Montessori  Erzieherin Loreen empfohlen bekommen. Loreen ist bei uns im Board. Als PVO – Privat Volunteer Organisation sind wir seit zwei Wochen anerkannt, was ein riesiger Schritt ist, denn wir zahlen keine Steuern mehr! Fungai hatte nach der aussichtslosen Lage nach dem Tod ihres Mannes schon alles zusammengepackt um zu ihrer Mutter in die rural areas, also aufs Land zu ziehen, da sie keine Möglichkeit sah, sich und ihre Kinder über die Runden zu bringen. Dass sie dann bei uns die Anstellung gefunden hat, ist ein Glücksgriff für beide. Trotz der für simbabwischen Verhältnisse guten Bezahlung, sie bekommt 350 Dollar, ist das Geld mit Schoolfees und Lebensunterhalt sehr knapp, aber sie beschwert sich nicht, sondern ist einfach nur glücklich, eine Arbeit zu haben. Wir haben auch unsere Leute mit ihren Familien krankenversichert, sodass die teuren Besuche z. B. für Shamisos Brille und regelmäßigen Arztbesuche, die sie dringend braucht, übernommen werden. Sie wurde schon mehrfach an den Augen operiert, was sie genau hat, habe ich nicht rausbekommen. Das ist auch mit ein Grund, warum unsere Scholarship Beiträge mit 40 bis 50 Euro im Vergleich zu anderen Organisationen recht hoch sind. Wir möchten, dass unsere Angestellten von ihrem Gehalt leben können. Mit der derzeitig völlig aus dem Ruder gelaufenen Finanzlage leider eine Herausforderung – für uns alle. Aber wir halten hier alle zusammen und Arbeitskraft wird immer eingesetzt, hier achtet niemand auf Überstunden!

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